Steffi, du bist fester Bestandteil der TORTOUR-Familie. Wie viele Male standest du bereits am Start und wann zum ersten Mal?
Seit 2017 hat mich das TORTOUR-Fieber ununterbrochen im Griff – nur 2020 gab es keinen Start. Nach dem tragischen Unglück von Roger Nachbur wurde das Rennen aus Respekt abgebrochen – ein Moment, der uns als Community tief erschüttert hat.
Meine Reise ins Ultracycling begann mit einer Wette, bei welcher ein Arbeitskollege mich zu einem kleinen Rennen um den Zürichsee herausgefordert hatte. Damals hatte ich weder ein Fahrrad noch Erfahrung. Dem ersten Drahtesel folgten später einige Schmuckstückchen und aus dem geplanten Duell wurde ein gemeinsamer Team-Start zu meiner ersten TORTOUR 2017. Auch diesen Sommer steht TORTOUR, Women 1000er Solo auf dem Plan, und ich würde mich sehr freuen, nicht als einzige Frau dabei zu sein.
Was fasziniert dich am Ultracycling und warum ist die TORTOUR jedes Jahr ein Fixpunkt für dich?
Mein Büro-Outfit gegen das Trikot zu tauschen, ist für mich Yoga mit Kilometern – Abschalten, Grenzen verschieben und pure Freiheit. Am liebsten mit grossartigen Menschen an meiner Seite oder mit meiner Crew. Die TORTOUR ist hierbei jedes Jahr ein Fixpunkt, welcher Herausforderung, Teamgeist und die ständige Frage „Geht noch mehr?“ verkörpert.
Und klar geht immer mehr! Von ursprünglicher Zürichsee Distanz gesteigert auf 1000 km Solo und nebenbei letztes Jahr Paris-Zürich, dieses Jahr Zürich-Wien. Mein früheres Ich hätte dies alles für unmöglich und verrückt gehalten – heute ist es Genuss und Spass pur.
Du startest dieses Jahr den 1000er Solo. Wie bereitest du dich im Winter vor?
Mein Trainer und Coach Harry führt das strenge Zepter, ehrlich gesagt über alles: Essen, Schlaf, Training und Mobility. Er ist der wahre Held meiner Vorbereitung und sorgt dafür, dass ich die richtige Balance finde. Daher hat mein Rad seit Oktober eine Pause – ich hingegen nicht. Mein aktueller Fokus ist das kommende HYROX in St. Gallen – definitiv eine Abwechslung in der Winterzeit.
Mein Trainingsplan ist strikt und ganzheitlich: Ernährungsplan als wertvollste Grundlage. Dann Mentaltraining, damit die eiskalt-verregneten Tortour-Nächte durchgehend ein Schmunzeln erlauben. Kraft und Ausdauer am Ski-Ergometer, sowie Rudern und Laufen. Ebenfalls ist Mobilitätstraining ein Muss – weil ein beweglicher Körper weniger leidet. Ab und an bin ich auf der Langlaufloipe zu finden, wobei ich dieses Jahr auf den Vasalauf in Schweden verzichte.
Nicht zu vergessen, meine Crew ist ebenfalls in der Dauervorbereitung. Von TORTOUR zu TORTOUR haben wir Verbesserungen einfliessen lassen. Meinem langjährigsten Teammitglied Franziska entgeht dabei keine einzige Optimierungsidee: Crew-Fahrzeug, Ausstattung, Funksystem,…. Ebenfalls hat meine Schwester extra nach den Radunglücken einen Erste Hilfe Ausbildungsmarathon hingelegt und ist mittlerweile nicht nur in meiner TORTOUR-Crew First Responder Sanitäterin.
Du arbeitest Vollzeit und bist Ultracyclerin. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?
Prioritäten, Disziplin und Struktur. Die Balance zwischen Gesundheit, Familie, engen Freunden und Job ist nicht immer einfach – aber essenziell. Mein Alltag ist durchgetaktet, und ja, ich bin stolzes Mitglied im 5am Club – trainiert wird, bevor der Tag überhaupt beginnt. Denn am Ende gilt: Disziplin schlägt Motivation. Jeden Tag.
Dein unangenehmster Moment auf dem Rad? Und dein schönstes Erlebnis?
Am unangenehmsten war sicherlich die letztjährige TORTOUR, bei welcher das Shermer’s Neck zugeschlagen hat. Mein Kopf lies sich auch mit Hilfe einer Halskrause partout nicht mehr halten. Mit andauernd limitiertem Blick aufs Vorderrad, hat meine Crew bei Kilometer 900 die Notbremse gezogen und mich aus dem Rennen genommen. Das war physisch und mental ein harter Schlag. Nun ja, auch das Nackentraining sei nicht zu vernachlässigen und mittlerweile sind Ringermethoden eingebaut.
Mein schönstes Erlebnis? Ganz ehrlich: jede Ziellinie. Denn jede steht für eine Reise voller Höhen, Tiefen und dann dieser eine magische Moment des puren Glücks.
Wir sagen von ganzem Herzen Dankeschön Steffi – Deine Antworten sprühen vor Leidenschaft für den Sport und zeigen deutlich auf, was man mit Disziplin und Hingabe alles erreichen kann. Wir wünschen dir weiterhin eine fantastische Vorbereitung und natürlich toi toi toi schon jetzt für deinen Start!









