Welt-MS-Tag – Mulitple Sklerose & Ultracycling? Stefan sagt JA!

Anlässlich des heutigen Welt-MS-Tages möchten wir euch heute jemand vorstellen, der eindrücklich beweist, dass die Diagnose Multiple Sklerose nicht automatisch heisst, das man seine Träume nicht mehr erfüllen kann.

In der Schweiz sind rund 18’000 MS-Betroffene bekannt, die mit den verschiedensten Symptomen kämpfen. Die chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung gilt als nicht heilbar, eine Vielzahl von Behandlungs-, respektive Therapiemassnahmen zielen daher darauf ab, die Krankheitsaktivität zu reduzieren, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Symptome zu lindern.

Stefan Bucher ist ein grossartiges Beispiel, wie sportliche Höchstleistungen erbracht werden können – und zwar mit MS.

Multiple Sklerose und Ultracycling – das klingt für viele unvereinbar. Du hast im letzten Jahr mit deiner erfolgreichen Teilnahme am 250er Rennen an der TORTOUR bewiesen, dass das durchaus zusammen geht. Wie hast du es geschafft, dies zusammenzubringen?

Ja, dass die beiden Dinge für mich zusammengehen, dafür bin ich natürlich sehr dankbar. Man sagt immer, MS sei «die Krankheit der tausend Gesichter». Damit wird ausgedrückt, dass der Verlauf und die Symptome bei den Betroffenen sehr unterschiedlich sein können. Mein Verlauf und mein veränderter Lebensstil machen es jetzt möglich, dass ich fit bin und es mir gut geht.

Als ich vor acht Jahren die Diagnose bekam, litt ich unter einigen der häufig genannten Symptomen: Kribbeln in Händen und Beinen, Gangschwierigkeiten, Kraftlosigkeit, Fatigue, kognitive Verlangsamungen sowie Stress und Panik. Die Diagnose war für mich allerdings auch ein Weckruf. Ich wusste schnell, dass ich bereit war, mehr auf meine Gesundheit zu achten.

Es ist tatsächlich so, dass ich schon vor der Diagnose ein paar Mal das Velo aus dem Keller nahm. Auf einer dieser Radfahrten war es heiss und es ging ein starker Wind (das war im Sihltal, wie so oft). Ich nahm nicht wahr, dass ich mich sehr angestrengt und offenbar einen Sonnenstich eingefangen hatte. Doch die Tage darauf machte sich ein MS-Schub bemerkbar, der schliesslich zur Diagnose führte. Trotz dieses Zusammenhangs von Velofahren und Schub liess ich mich nicht abhalten, bald das Velofahren wieder aufzunehmen.

Ich unternahm also immer längere Ausfahrten bis ich mich an die 100-Kilometer-Marke herangetastet hatte. Dann ging es weiter, es kamen Alpenpässe dazu, dann auch die Säntis Classic und schliesslich mit Audax Suisse die 200-Kilometerfahrt rund um den Bodensee. Die Tortour 250 mit den zusätzlichen 50 Kilometer und sehr viel mehr Höhenmetern war ein nächster machbarer Schritt.

Wie beeinflusst deine Erkrankung deinen Alltag – und speziell dein Training auf dem Rad?

Kurz nach der Diagnose fing ich an, mich mit Ernährung zu beschäftigen und lies von mir aus gewisse Nahrungsmittel weg. Später fand ich eine Ernährungsberaterin, die meinen Weg bestätigte und mich weiter unterstützte. Die Ernährung hat im Zusammenhang mit MS einen wichtigen Stellenwert im Bezug auf die Vermeidung von Entzündungen im Körper. Durch Speisen können Entzündungen im Darm entstehen und das Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen. Bei der MS entstehen Entzündungen dann auch im zentralen Nervensystem, wo die Nervenbahnen geschädigt werden. Heute weiss ich, welche Nahrungsmittel ich vertrage und welche ich für meine Gesundheit besser weglasse.

Die Ernährung hat selbstverständlich auch eine grosse Bedeutung für die Energiezufuhr beim Sport. Ich bin wirklich froh, dass die Tortour an den Timestations Produkte von Winforce anbietet, denn die sind glutenfrei, enthalten keine Kuhmilch und auch keinen Hafer. Diese Produkte kenne ich und kann sie bedenkenlos einnehmen während der Fahrt.

Neben der Ernährung und dem Sammeln von Kilometern hat die Regeneration eine grosse Bedeutung im Alltag. Wir wissen ja, dass Ruhepausen und guter Schlaf für den Kraftaufbau wichtig sind. Ich versuche die Erholung zu priorisieren. Denn so kann ich Stress vermeiden, welcher sich ebenfalls auf das Immunsystem auswirkt. Ausserdem hat sich durch Psychotherapie meine Wahrnehmung von Stress verändert. Und nicht zuletzt durch Veränderungen im sozialen Umfeld ist der Stress weniger geworden.

Was bedeutet dir Radfahren – gerade im Umgang mit einer chronischen Krankheit wie MS?

Im menschlichen Körper führt jede einzelne Muskelkontraktion – also jeder Pedaltritt – zu einer Reihe von Reaktionen, die uns gesund halten. Dazu gehören Auswirkungen auf das Immunsystem und Neurotransmitter im Gehirn. Kein Wunder macht Bewegung glücklich, baut Stress ab und fördert allgemein das Wohlergehen.
Meine Radfahrten – speziell die Touren zusammen mit meiner Partnerin (sie ist Tortour-Myself-Finisherin) – bedeuten für mich ganzheitliche Freizeitgestaltung. Ich bin gerne draussen in der Natur und entdecke neue Landschaften und Orte. Die grossen und kleinen Veloabenteuer lassen mich ganz im Moment leben.

Du hast letztes Jahr die 250Kilometer gefinisht – wie hast du das Rennen erlebt? Was waren deine Highlights, wann war es für dich richtig “zäch”?

Mein Highlight war der grosse Doppelanstieg Sattelegg–Ibergeregg. Ich hatte Respekt vor diesem Abschnitt, besonders bei den Bedingungen im Dauerregen. Ich meisterte das gut. Nach der Abfahrt in Brunnen war mir sehr kalt und es dauerte eine Zeit, bis ich wieder auf dem Rad sass. Bis Zug war ich wieder glücklich. Und dann folgte die nächste Herausforderung hoch Richtung Menzingen. Keine wirkliche Erinnerung habe ich vom Abschnitt Rapperswil bis zur KEK – die muss ich einfach abgestrampelt haben. Die 50K-Schlussrunde war dann nochmal zäh. Nach dem Ende war ich wirklich froh, die Strecke gefinisht zu haben.

Natürlich nimmt uns jetzt auch wunder, was dich motiviert auch dieses Jahr wieder am Start zu stehen?

Ich will für mich herausfinden, ob ich mich verbessern kann. Ich will auch dieses Jahr abrufen, was mein Körper leisten und wie weit meine Willenskraft mich bringen kann. Mir geht es darum, energieeffizient über die Berge und in guter Verfassung im Ziel anzukommen.
Mir geht es nicht um Spitzenzeiten, weder über die Gesamtdistanz noch auf einzelnen Segmenten. Priorität hat die Gesundheit und die Freude am Erlebnis. Denn das ist es, was die Tortour-Athletin Steffi Gaiser mir mitgab: es muss Freude machen.

Was würdest du anderen Menschen mit MS (oder einer anderen Krankheit) mit auf den Weg geben, die vielleicht glauben, solche Ziele seien für sie unerreichbar?

Ich möchte auf jeden Fall sagen: bewege dich, so wie es für dich geht, und finde einen Sport, der dir gut tut. Nimm Rücksicht auf deinen Körper und deine Psyche und nehme Druck raus, wenn dir unwohl ist. Dann mache Pausen und regeneriere gut. Ein Ziel setzen, so wie die Tortour, kann helfen, dabei zu bleiben, sodass der gesunde Lebensstil zur Gewohnheit wird. Du kannst dir auch einen Coach nehmen und dich begleiten lassen beim Etablieren von ganzheitlichen Lebensstilmassnahmen. Und schliesslich, lasse dich überraschen, zu was du in der Lage bist und freue dich daran.

Stefan, wir möchten dir von Herzen Danke sagen, dass du uns einen so offenen Einblick gewährt hast. Wir finden deine Story mehr als bemerkenswert und hoffen dass du damit viele Menschen inspirierst, an ihre Träume (und ihren Körper) zu glauben.

Wir wünschen dir weiterhin eine erfolgreiche Vorbereitung und freuen uns schon jetzt, dich bei uns an der Startlinie zu sehen.